Im Bereich der Kreativitätsentwicklung, genauer gesagt hinsichtlich ästhetischer Grunderfahrungen, wird besonders deutlich, dass Bildung auf hohem Niveau im Alltag stattfindet (Bendt & Erler, 2012). Da das Potential, das in kindlichen Aktivitäten und in der Auseinandersetzung mit alltäglichen Gegenständen steckt, immens hoch ist – wie beispielsweise in einem Schlüsselbund, der aus verschiedenfarbenen Elementen und vielfältigen Schlüsselformen besteht –, bedarf es nicht täglich eines gezielten, pädagogischen Angebotes.

 

Im Wald werden der Kreativität der WALDerKINDER keine Grenzen gesetzt. Hier können sie mit Stöcken trommeln, Blätter umgraben, mit Erde oder Schlamm kneten und malen, Pfützen umgestalten, Kastanien klopfen oder Steine klacken lassen, dem Regen beim Tropfen und den Vögeln beim Singen zuhören, Tiere, Lebensmittel oder Gebäude aus Sand formen, für geheimnisvoll wirkende Bäume neue Bedeutungen kreieren und unbekannte Geräusche nachahmen oder singend variieren, sich mit Naturmaterialien schmücken oder verkleiden und mit Naturfarben schminken.

 

Da Kinder es lieben Spuren zu hinterlassen und dies das Erleben ihrer Selbstwirksamkeit in sich birgt, wird es für die WALDerKINDER spannend sein, welche ihrer Bau- und Kunstwerke in den darauffolgenden Tagen erhalten bleiben, ob neue Spuren – zum Beispiel anderer Kinder – zu sehen sind oder welchen Einfluss das Wetter nimmt.

Nicht nur im Wald sondern auch in den Wohnräumen werden die WALDerKINDER die Möglichkeit haben, ihre Kreativität zu entfalten. So stehen neben Mal- und Knetmaterialien, Musikinstrumente bereit, mithilfe derer sie ihrem Interesse an selbst erzeugten oder zu belauschenden Geräuschen, Tönen und Klängen nachgehen können.

 

Musikalische Rituale vermitteln Kindern Sicherheit und so werden im Morgen- und im Abschlusskreis verlässlich wiederkehrende Bewegungs- und Klatschlieder gesungen. Im Rahmen der Piklerkurse meiner Töchter habe ich erlebt, wie positiv das Liedersingen beispielsweise zum Tragen kommt, wenn es zu Unruhe oder Anspannung in der Gruppe kommt. Daher möchte ich auch spontanes Liedersingen im Alltag der WALDerKINDER im Sinne einer Ausgeglichenheit der Gruppe einsetzen und insgesamt der wesentlichen Bedeutung Rechnung tragen, die Musik für alle Kinder, für ihre Hirnentwicklung, ihre Identifikation und ihr Soziales Lernen hat.